High School in Kanada

Helene - Nanaimo British Columbia, Wellington High-School

Ende August 2024 begann ich mein fünfmonatiges Abenteuer: einen Schüleraustausch in Kanada. Dort würde ich ein halbes Jahr zur Schule gehen. Ich flog von Frankfurt mit Zwischenstopp in Vancouver nach Nanaimo, Vancouver Island, British Columbia. Die Verabschiedung ging viel schneller, als ich es erwartet hatte. Die Organisation Carl Duisberg hatte mir vor Beginn der Reise eine Liste der vier weiteren mitfliegenden Austauschschülerinnen gegeben, und wir hatten uns bereits am Abfluggate verabredet. Es tat gut, nicht allein zu reisen und sich auszutauschen.

Am Nachmittag kam ich in Nanaimo an. Meine neue Familie bestand aus einer älteren Frau, die mich herzlich am Flughafen begrüßte. Wir fuhren zu ihrem Haus mit Garten und ich lernte meine dritte Mitbewohnerin, eine Katze, kennen.

Nach den drei Einführungstagen an einer anderen Secondary School begann mein Unterricht am 6. Tag in Kanada in der Wellington Secondary School. Dazu fuhr ich morgens mit dem gelben Schulbus eine Viertelstunde zur Schule.

Für meinen Unterricht konnte ich aus einem großen Fächerangebot vier Fächer wählen. Meine Wahl waren der Sportkurs „Fit for Live“, Englisch (First People 12), Food Studies (Kochen) und Studio Arts (Kunst). Sowohl der Sport als auch der Food Studies Kurs waren sehr abwechslungsreich. Im Sport haben wir z. B. Yoga, Bogenschießen, Golf, Softball und Fitness Walks und Runs gemacht. In Food Studies durften wir wochenweise Gerichte aus verschiedenen Ländern zubereiten und probieren. Ich freute mich jeden Tag auf die Schule und den Unterricht, meine Freunde und die Zeit dort.

Meine Freunde habe ich über die Kurse in der Schule gefunden. Am Dienstagabend spielte das Senior-Basketballteam aus meiner Schule in der Turnhalle. Wir waren oft dabei, um uns zu treffen und das Team anzufeuern.

Weiterhin habe ich einmal in der Woche ein Tanzstudio außerhalb der Schule mit einer Freundin besucht.

Zu meinen Highlights gehört der Besuch der Familie meiner Gastmutter in Vancouver an Thanksgiving. In Kanada wird das Erntedankfest wie in Deutschland im Oktober gefeiert. Wir haben zusammen einen Truthahn gefüllt und stundenlang gebraten, sowie Pumpkin Pie und Beilagen zubereitet. Das besondere Abendessen mit vielen Personen war eine sehr schöne Erfahrung, die ich bestimmt in Deutschland wiederhole.

Über den Schulbezirk werden für internationale Schüler auch verschiedene Ausflüge und Veranstaltungen angeboten. Ich war z. B. in einem Kletterpark auf Vancouver Island. Außerdem habe ich eine kleine Rundreise durch die Rocky Mountins gemacht. Die Berge waren schon weiß und es schneite. Als der Busfahrer Anfang November „Last Christmas“ anstimmte, sangen wir alle mit.

Ein weiterer Ausflug war die Christmas Parade in Ladysmith. Hierzu wurden wir durch die dortige Secondary School eingeladen, um die Parade mit anzusehen. Plötzlich ging im Dunkeln überall eine Beleuchtung an und die Parade, an der auch das Cheerleader Team der örtlichen Secondary School mit Beleuchtung teilnahm, setzte sich in Bewegung.

Für mich persönlich war die Ausstellung eines meiner Bilder in der öffentlichen Ausstellungshalle in Nanaimo großartig. Zur Ausstellungseröffnung durfte ich meine Gastmutter und Freunde mitbringen. Da meine Gastmutter Kunst studiert hatte, war sie ebenfalls sehr begeistert von diesem Abend.

Auf einem Skiwochenende in Whistler stürzte ich bei der letzten Abfahrt und verletzte mein Kreuzband. Leider musste ich dadurch ab Dezember meinen Sport einstellen und mit einer Orthese meine Restzeit verbringen. Hier hatte ich sehr viel Unterstützung durch die örtliche Koordinatorin und von meinen kanadischen Freunden.

Ein Familienbesuch in Nanaimo nahm mich in der Vorweihnachtszeit zu einem örtlichen Radiosender als Live-Gast und Co-Moderatorin mit. Ich hatte vorher Bedenken, ob mein Englisch dafür ausreicht, aber ich hatte in den letzten 4 Monaten gute Fortschritte gemacht. Meine Familie konnte mich als DJ Sparkle live im Radio in Deutschland hören. Ich stellte dort in einem kleinen Beitrag typisch deutsche Musik (Helene Fischer, Bibi und Tina und „Oh Tannenbaum“) vor.

Weihnachten feierten wir zu zweit. Wir packten am Morgen Geschenke aus und kochten uns ein großes Menü. An diesem Tag hätte ich mir eine größere Familie gewünscht. Zu Hause habe ich Geschwister. Aber auch das ist eine Erfahrung. 

In den drei Wochen im Januar waren die letzten Arbeiten zu schreiben oder abzugeben. Es wurde ein Winter Farewell Ball (Abschiedsball) in einer anderen Secondary School organisiert. Dieser war genau an meinem 17. Geburtstag. Ich traf viele Austauschschüler, die ich im August kennen gelernt hatte. Wir tauschten uns über unsere Zeit aus und unterschrieben gegenseitig auf unseren Kanada Flaggen, die wir als Geschenk an unserem ersten Tag bekommen haben.

Meine Freunde und Lehrer haben ebenfalls unterschrieben. Sie hängt als Erinnerung über meinem Bett.

Oft telefoniere ich noch mit meinen Freunden, die in Kanada wohnen oder die ein ganzes Schuljahr dortbleiben. Da ich erst seit einer Woche wieder in Deutschland bin, vermisse ich meine Freunde und meine Jahrgangsstufe dort.

Ich würde es nochmal machen!

Wenn ich nochmal entscheiden dürfte, würde ich ein ganzes Schuljahr nach Kanada gehen. Ich würde mich für einen Ort abseits der bekannten Namen entscheiden, um mehr kanadische Mitschüler zu haben.
 
Und nicht zu vergessen: Der Schüleraustausch, also die Planung, Vorbereitung sowie die Kommunikation, hat sehr gut mit der Organisation Carl Duisberg funktioniert. Einen großen Dank, dass sie immer und sehr schnell für Fragen zur Verfügung standen.